Der Bus nach Berat fuhr schon um 8 Uhr morgens in Saranda ab und die Fahrt im Minibus dauerte ermüdende fünf Stunden. In der vorherigen Nacht fegte ein heftiges Unwetter über Albanien, das mancherorts viel Geröll und Erde auf die Straßen gespült hatte. Für den ganzen Tag war Regen angesagt und diese Prognose bewarheitete sich leider auch.
Als wir am Busbahnhof in Berat ankamen, welcher außerhalb der Stadt lag, wussten wir nicht wohin. Die sonst so nett fragenden Taxifahrer fehlten und wir mussten uns zum Linienbus durchfragen. Jetzt fuhren wir mit matschigen und nassen Schuhen durch ein verregnetes, graues Berat. Die „Stadt der tausend Fenster“ wurde im Reiseführer als sehr sehenswert und schön beschrieben. Immerhin ist sie eine der ältesten Städte Albaniens und gehört aufgrund der gut erhaltenen mittelalterlichen Stadt-Strukturen zum UNESCO-Welterbe. Aufgebaut ist sie in drei Viertel, in denen sich bis heute die drei Weltreligionen vereinen. Doch der erste Gedanke war leider nur „Warum sind wir nicht im warmen Saranda geblieben?“.
Zum Glück wendete sich schnell das Blatt. Als wir in der Stadtmitte vor einer großen Moschee ausstiegen, wurden wir von einem netten älteren Mann angesprochen. Er stellte sich als Tomor vor und sagte, dass er ein Zimmer frei habe, das er an Touristen vermiete. Da wir im Reiseführer von diesen Privatunterkünften mehrfach lasen und er einen netten Einduck machte, entschieden wir spontan, uns das Zimmer zumindest einmal anzuschuen. Auf dem Weg zu seinem sehr zentral gelegenen Haus mitten in der alten Stadt gab er uns eine kleine blaue Visitenkarte, auf der sein Name und seine Adresse stand. Mit Handschrift war seine E-Mailadresse ergänzt worden und er erzählte stolz, dass seine Tochter in Tirna Zahnmedizin studiere. Sein Sohn wäre nicht so erfolgreich, aber mit dem Internet könne er umgehen – Na immerhin. Das Zimmer war spatanisch eingerichtet, aber alles, was wir brauchten war vorhanden und das für 10€/Nacht/Person. Wir willigten ein und bekamen promt den Schlüssel überreicht.

Sehr schlechtes Wetter :)Spuren des Unwetters

Direkt neben unserer Unterkunft war eine weitere, kleine Moschee (die Junggesellenmoschee), so dass uns der Gesang zum Sonnenauf – und untergang als Einladung zum Gebet stets in Berat begleitete.

Die Festung Kalaja

Eines der drei alten Stadtteile war die Festung hoch oben auf einem Berg. Es führte eine glatte, steile Straße aus Kalksteinen zu den kleinen verwinkelten Häusern und der Burg, die von dicken Mauern umgeben waren.

Wir fanden eine Treppe, welche zu einem Seiteneingang führte. Oben angekommen, kehrten wir bei einer sehr netten Frau ein und genossen die ab und an durch die Wolkendecke scheinende Sonne. Unvorstellbar, dass die Menschen hier jeden Tag bis zu drei Mal den Anstieg nach oben bewältigen müssen, um sich versorgen zu können. Beim ersten Aufstieg folgte uns allerdings eine sehr alte Frau: Sie telefonierte beim Erklimmen des Berges, während wir so außer Atem waren, dass wir kein Wort sprechen konnten.

Blick von der TerasseEnge Gassen auf der Burg

Der zweite Tag

Mit Sonne sieht die Welt schon anders aus.
Am nächsten Tag war das Wetter etwas besser und nun konnte man die Schönheit der Stadt auf den ersten Blick erkennen. Nach einem leckeren Frühstück, welches Tomor uns auf die kleine Terasse brachte, ging es auf Entdeckungstour durch die Stadt, auf der wir natürlich einen typisch albanischen Espresso (Kaffee mit Milch gab es bisher nur in Tirana) tranken.Wir entdeckten auch das andere Gesicht der Stadt außerhalb des Tourismus…

Ausblick beim FrühstückSonne - endlichStadt der tausend FensterBlick von der BrückeDas andere Gesicht der StadtIMG_9345